Auf ins rote Zentrum

23.11.-27.11.2022

Nach zwei Tagen „ausruhen“ auf dem Campingplatz in Ingham (mit Salzwasserpool), machten wir uns auf den Weg ins Outback.

Willkommen in der endlosen Weite
Da muss es aber etwas leckeres zu Essen geben.

In Richmond besuchten wir das originalgetreue Replikat eines Gehöfts aus den späten 1860ern, inklusive einer kleinen Sammlung historischer Kutschen sowie Werkzeugen dieser Zeit.

Vor 110 Millionen Jahren bedeckte ein riesiger See die Region bei Richmond. Nicht verwunderlich also, dass hier bis heute Dinosaurierfossilien entdeckt werden. Darunter der Kronosaurus queenslandicus, ein 11 m langes und fleischfressendes Meeresreptil. Ganz in der Nähe wurde 1990 auch ein fast vollständig erhaltenes Skelett inklusive Haut & Panzerung eines Minmi paravertebra entdeckt. Hierbei handelt es sich um einen besonderen Vertreter der Klasse der Ankylosaurier (vierbeinige Pflanzenfresser) und den ersten Fund dieser Dinosaurierart auf der südlichen Hemisphäre.

Die nächste Stadt die wir besuchten war Cloncurry. Sie spielte eine Hauptrolle in der Gründungsgeschichte der erfolgreichen australischen Fluggesellschaft Qantas (Akronym für „Queensland and Northern Territory Aerial Service“). Der Hangar und die Landebahn sind bis heute in Betrieb. 1922 landete hier auch der erste geplante Post- & Passagierflug der zwei Jahre zuvor gegründeten Firma. Im Jahr 1928 wurde, ebenfalls in Cloncurry, der Royal Flying Doctor Service gegründet. Bis heute eine wichtige „Institution“ für die medizinische Versorgung der Bewohner des Outbacks.

Unsere gute Tat des Tages…Vögel, die verzweifelt Wasser suchten…

27.11.-09.12.2022

Im Laufe des Sonntags überquerten wir die nächste Bundesgrenze. Das Northern Territory „begrüßte“ uns mit einer kargen, savannentypischen Vegetation. Nur ganz vereinzelt waren hier & da mal ein paar Bäume zu erkennen und zwischen alldem schimmerte die rötliche Erde hindurch. Im Vergleich zu den norwegischen Fjells ist die Weite hier für das Auge wirklich grenzenlos.

Auf unserem Weg Richtung Katherine konnten wir dann einem jungen Australier helfen. Er war mit seinem Auto liegen geblieben und brauchte eine Mitfahrgelegenheit bis zur nächsten Werkstatt. Mitten im Outback hat man weder Empfang, außer man hat ein Satellitentelefon, noch kann man einfach so irgendwo hin laufen (erst recht nicht zu dieser Jahreszeit). Also bauten wir unser Bett komplett auseinander, räumten einen Platz auf der Rückbank frei und nahmen ihn die 62 Kilometer bis zum nächsten Dorf mit.

Im Nitmiluk Nationalpark konnten wir nun endlich mal wieder die Wanderschuhe schnüren. 5 Tage und 2300 Kilometer auf den Outback-Highways lagen da hinter uns.

Weiter ging es zum Litchfield Nationalpark. Hier betrachten wir zunächst die imposanten Bauten zweier Arten der nur 5 mm großen Termiten. Die endemischen Magnetic Termites richten ihre schmalen, keilförmigen Hügel entlang der Linien des Erdmagnetfeldes aus. Im Gegensatz dazu stehen die voluminösen und bis zu 8 Meter hohen Hügel der Cathedral Termites. Anschließend wanderten wir an „The Cascades“ und erfreuten uns danach noch am Anblick der Wasserfälle Wangi Falls, Tolmer Falls und Florence Falls.

Bis zum nächstgrößeren Ziel lagen erneut viele Kilometer & Tage vor uns. Zum Glück wurden diese aber durch einige kleinere Sehenswürdigkeiten unterbrochen.

Sir Charles Todd Memorial – Eine Meile (1600 Meter) westlich der Säule trafen im August 1872 die „Bautrupps“ der Telegrafenleitung aufeinander und stellten damit die Verbindung zwischen Adelaide und Darwin fertig. Verantwortlich für Planung und Bau der „Overland Telegraph Line“ (die Telegrafenlinie quer durch Zentralaustralien) war Charles Todd, welcher das Projekt innerhalb von zwei Jahren umsetzen konnte. Dafür wurden 36.000 Masten auf einer Länge von 3178 km installiert. Von Darwin aus verlief bereits eine Unterseeleitung zur Insel Java.

Frühstückspause mit tierischem Mitesser

Tennant Creek Telegrafenstation – Eine von 12 Repeater-Station, welche die Nachrichten empfingen, wiederholten und damit weiterleiteten. Die Übermittlung erfolgte mithilfe des Morse-Codes und das 24 Stunden am Tag komplett manuell. Eine Nachricht von Adelaide nach England brauchte so nur noch 7 Stunden, statt mehrere Monate (per Schiff). Im Oktober 1872, also zwei Monate nach Fertigstellung der Linie, wurde dann die erste Nachricht übermittelt.

Karlu Karlu (Devils Marbles) – Mitten im Outback stößt man auf die Eier der Regenbogenschlange (wissenschaftlich betrachtet sind es erodierte Granit-Blöcke). Die Steine und das umliegende Gebiet sind bis heute ein wichtiger kultureller Ort der Aborigines, denn in ihrer Weltanschauung ist diese Schlange der Schöpfer allen Lebens.

Barrow Creek Telegrafenstation – Die Besonderheit dieser Station ist, dass hier ein Jahr nach Inbetriebnahme gleichzeitig die Polizeistation der Region eröffnet wurde. Grund waren Angriffe durch Ureinwohnerstämme.

Barrow Creek

Central Mount Stuart – Die von John McDouall Stuart als „geografisches Zentrum des Kontinents“ bestimmte Mitte Australiens.

Central Mount Stuart
Tropic of Capricorn – Der südliche Wendekreis der Sonne
Ned Ryan Well – historischer Brunnen aus der Zeit der Erschließung Zentralaustraliens

Höchster Punkt des Stuart Highway – Ja, auch so etwas markieren die „Aussies“ (umgangssprachlich für: Australier). Meistens in Form von Rastplätzen an eben diesen Stellen. Bei oftmals 400 & mehr Kilometern Entfernung zwischen den Kleinstädten im Outback, soll die Erholungspause halt auch etwas interessantes „bieten“. 😉 Der Stuart Highway verbindet Darwin (Northern Territory) mit Port Augusta (South Australia) und wurde zu Ehren des Schotten John McDouall Stuart so benannt, dem ersten Menschen dem eine Süd-Nord-Durchquerung Australiens erfolgreich gelang. Der Verlauf der Telegrafenlinie wurde ebenfalls anhand der Informationen aus seinen Aufzeichnungen geplant.

Alice Springs Telegrafenstation – In den Stationen lebten neben dem Personal fürs Telegrafieren auch noch Handwerker für die Instandhaltung der Leitung und ein Schmied. Mit einem kleinen Viehbestand und Gemüsegarten versorgte sich diese „Gemeinschaft“ hier weitestgehend selbst. Denn nur alle 6 Monate kam in dieser abgelegenen Wildnis ein „Versorgungs-Konvoi“ an.

Alice Springs Telegrafenstation

Endlich in der Mitte des Kontinents angekommen, schlugen wir unser „Basislager“ für die kommenden drei Wandertage auf.

Wieder einmal ein schönes großes Exemplar eines Road Train

Zuerst fuhren wir in den Kings Canyon Nationalpark. Es hieß zeitig genug starten, da die Tore von zwei Wanderwegen (es gibt nur drei) tatsächlich im Laufe des Vormittags abgeschlossen werden, falls mehr als 36°C vorhergesagt wurden. Wir wanderten am „Nikolaustag“ und es sollten sogar 42 Grad werden. Zum Glück trafen wir aber noch rechtzeitig (gegen 9 Uhr) die Rangerin und durften somit die 6 km lange Runde, welche immer in der Nähe des Schluchtrands entlang führt, beginnen.

Am nächsten Tag waren die Kata Tjuta (The Olgas) das Ziel. Dank kürzerer Anfahrt schafften wir es hier problemlos vor Schließung der Route (11 Uhr) loszugehen. Fotos während des Wanderns waren jedoch unerwünscht, da das Gebiet dem Aborigine-Stamm der Anangu heilig ist. Aus Respekt zu ihrer Kultur sollte man nur mit größerem Abstand und in der Nähe des Parkplatzes fotografieren.

Zum Abschluss unseres Abstechers in die heiße, rote Mitte dieses Landes besuchten wir den weltbekannten Uluru (Ayers Rock). Die Teilnahme an einer Führung entlang des Fußes sollte dabei eines der interessantesten Erlebnisse der bisherigen Reise werden. Geleitet von einem Park-Ranger, welcher ein Angehöriger des Anangu-Stammes ist, erfuhren wir quasi aus erster Hand, was den Ureinwohnern an diesem Sandsteinberg so heilig ist. Außerdem erfuhren wir viel über das traditionelle Leben an & um den Uluru, sowie über dessen Entstehung. Dass dieser Berg, von dem 348 Meter zu sehen sind, noch bis in eine Tiefe von 4 – 6 Kilometern reicht, war die wohl überraschendste Information.

10.12.-11.12.2022

Auf dem weiteren Weg Richtung Süden übernachteten wir dann direkt auf der Grenze von Northern Territory & South Australia. Wenige Kilometer entfernt befindet sich das geodätische Datum Australiens. Das ist der zentrale Referenzpunkt für alle Vermessungen. Leider scheiterte unser Versuch es von der Nähe zu betrachten. Dafür zeigte sich uns kurz darauf aber ein rotes Känguru. 🙂

Zum Abschluss mal wieder etwas aus der Rubrik „Wissenswertes“. Verantwortlich für die typische rote Erde in weiten Teilen Australiens ist die Oxidation der Eisenbestandteile an der Oberfläche der Gesteine und Sande.

Sommerliche Grüße aus Port Augusta und bis demnächst.

2 Gedanken zu “Auf ins rote Zentrum

  1. Hallo ihr Lieben
    … na das war ja wieder ein sehr interessanter Blogbeitrag… Ich spüre förmlich die rote Erde unter meinen Füßen 😉

    Bin schon gespannt wo es euch zu Weihnachten hinspühlt 🤔
    Liebe Grüße aus der Heimat… ich drücke euch ganz fest 😘
    Eure Mutsch

    1. Hallo. Ja es waren wieder einmal tolle Tage.

      Weihnachten waren wir auf der Great Ocean Road. Es war fantastisch, aber das kannst du ja alles im neuen Beitrag lesen.

      Wir drücken dich auch.

      Liebe Grüße

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